Sehr geehrte Damen und Herren!

Seit einigen Wochen ist es nicht mehr leicht ein zahlendes Ö1 Mitglied zu sein.

Fühle ich mich doch im Ö1 Radio-Club besonders gut betreut, schätze die Ö1-Radiothek und liebe den Downloadservice und nutze einige Podcasts.

Besonders gerne verfolge ich die Textsendungen, an denen ich ein ganz besonderes Interesse habe.

Sind doch diese Sendungen wie das Radiokolleg, Menschenbilder, Hörbilder, Da Capo, um nur einige zu nennen , Unikate.

Unikate, die meist mit ihrem Österreich Bezug nirgendwo anders entstehen können als an der Seele der Österreicher.

Außerdem sollte man nicht die Bildungskomponente dieser Sendungen auf einen fünfzig-jährigen unterschätzen.

So begleiteten mich die Textsendungen von meiner Jugend an und waren unerreichter Maßstab für erste Experimente am ersten eigenen Kassettenrecorder.

Im Gegensatz dazu könnte ich die Musik heutzutage auch anderswo kaufen bzw. herunterladen.

Nein. Warum Ö1 gehört werden soll liegt wohl an den herausragenden Textbeiträgen, nirgendwo ist man so nahe an der Wirklichkeit.

Da bekomme ich plötzlich zu hören, dass hinter der bislang so tadelloser Fassade des ORF, mit der Ausnahme des periodischen wiederkehrender politischen Besetzungstheaters (die kein Österreicher mehr richtig verstehen kann) eine neue, noch viel gemeinere Posse im Gange ist.

Die ungerechte Bezahlung der freien Mitarbeiter des ORF.

Es ist eine Gemeinheit, jemandem nicht die ihm zustehende Achtung entgegenzubringen und ihn nicht leistungsgerecht entlohnen zu wollen.

Es kann doch nicht sein, dass man freie Mitarbeiter des ORF vom hohen Thron des Monopols aus einen Vertrag unterzeichnen lässt der ihnen nicht gerecht wird.

Von oben herab, mit einem drohenden, inzwischen vergilbten As im Ärmel „man muss ja nicht für den Ö1 arbeiten,“ spielen die Mächtigen das selbst nicht geglaubte Spiel der Einsparung.

Will man die Qualität der Beiträge beibehalten, so kann man doch nicht bei kreativen freien Mitarbeitern sparen oder noch viel schlimmer sie am langen Arm des Politikwirrwarrs verhungern lassen.

Das Schlimmste für freie Mitarbeiter sind wohl die vielen leeren Versprechen, das auf später vertrösten, das Verschleppen, das von einem zum anderen geschickt werden , immer mit dem Merksatz im Genick :“ Man muss ja nicht für den ORF arbeiten.“

Das Gefühl des Bittsteller stellt sich danach wie von selbst ein.

Es kann auch nicht sinnvoll sein junge Menschen mit prekären Verträgen arbeiten zu lassen.

Hat doch der ORF neben dem Bildungsauftrag auch noch eine Vorbildfunktion, die ,so hoffe ich, über den Mainstream gerade bei Ö1Radio hinausragt.

Das gehört sich einfach nicht , das ist einem Ö1 Radio einfach nicht würdig!

Andererseits repräsentiere ich eventuell eine Minderheit, die vielleicht von der Mehrheitsgesellschaft überstimmt, so in das noch mehr beliebte Regionalradio in den Einheitsbrei gedrängt werden soll.

Dann jedoch, brauche ich auch keine Ö1 Mitgliedschaft mehr.

Ich bezahle als Kunde mit meinen Radiogebühren Mitgliedschaft und Downloadservice und meinte damit, dass durch die Gebühren die freien Mitarbeiter ihr Auslangen finden können.

Dass dem nicht so ist, hat mein Ideal zerstört und mir die Augen geöffnet.

Ich würde um das Problem aus der Welt zu schaffen auch mehr bezahlen.

Ich fürchte nur, die Gebühren sind schneller erhöht als schlechte Gewohnheiten geändert.

So erkläre ich mich mit Frau Barbara Kaufmann und allen freien ORF Mitarbeiten die in irgendeiner Form Radiobeiträge herstellen solidarisch.

Nach reiflicher Überlegung komme ich zu dem, auch für mich bedauerlichen Schluss, dass ich meine ORF-Mitgliedschaft und somit alle freiwilligen Zahlungen bis auf weiteres einstellen werde und noch dazu allen meinen Freunden die Mitgliedern des ORF Clubs empfehlen werde, dies ebenfalls zu tun.

Ich will nicht in irgendeiner Form Mitschuld an einer Ungerechtigkeit haben.

Dieser Schritt bleibt bis zu einer positiven Bearbeitung der Forderungen der freien Mitarbeiter des ORF bestehen.

Hochachtungsvoll

Josef Friedrich Ebner

ORF Club Nummer 111281