Robert Trivers "Betrug und Selbstbetrug"
Wie so viele Male habe ich mich auch diesmal von der Sendung "Kontext" in Ö1 Radio leiten lassen (vielen Dank, Wolfgang Ritschl ) und dieses Buch erstanden.

Nach einer kleinen biologischen Einführung gelingt es dem Soziobiologen Trivers schlüssig den evolutionären Grund eines Parasiten oder Schmarotzers darzustellen.
In Zeiten der Bettelverbote und nicht enden wollender Korruptionsfälle ein aktuelles Thema.
Jeder ist schon mal betrogen worden oder ist in irgendeiner Weise einem Scharlatan bewusst oder unbewusst auf den Leim gegangen.
Schon ist der Schuldige ausgemacht,sofort ist die Metapher des Parasiten bei der Hand.
Denn, der den Schaden hat und tragen muss,weiß seinen Gegner zu benennen,kennt den Schaden der uns klüger machen soll. Zum Glück brauchen wir uns über den Spott nicht zu sorgen.
Die Seite des Wirts (des Geschädigten) sowie die des Parasiten sowie die oft verschwimmende Grenze bis hin zu Symbiose werden alle Varianten beleuchtet und als evolutionär beschrieben.
Plötzlich wird der Nichtsnutz zum evolutionären begründeten wichtigsten Teil,mutiert zur Hauptrolle ja,zur lebenswichtigen Teil beider Seiten.
So wird man selbst zum Lügner und Betrüger und dies von Kindesbeinen an, ist von Natur aus also evolutionsbiologisch betrachtet ein Schmarotzer oder Parasit.
Das wichtigste,so scheint es mir, ist die wissenschaftliche Überprüfbarkeit seiner Thesen.
Robert Trivers ist Wissenschaftler der die Grundsätze der Wissenschaft verteidigt,nein unumstößlich hält.
Das interessante dabei ist, dass er als US-amerikanischer Soziobiologe und Evolutionsbiologe keine Kompromisse eingeht,wenn es um empirische Wissenschaftlichkeit geht,obwohl er den Betrug u.Selbstbetrug in seinem und anderen Wissenschaftsbereichen kennt und entlarvt.
Doch wenn das Experiment mit der Vermutung nicht übereinstimmt ist die Vermutung falsch."So einfach ist das."meint Trivers und "an das glaube ich auch".
Und schon wird es nicht mehr leicht für Esoteriker,Psychoanalytiker,und Religionsphantasten.
Jedoch was bei diesem Amerikaner doppelt zählt ist,dass er auch die amerikanischen Blendung als Betrug u.Selbstbetrug entlarvt und Beispiele angibt die Amerikaner nicht schmeicheln.

Durch die Biologie begreift man seine ganz persönliche Voreingenommenheit,man lernt von übermäßigem Selbstvertrauen,das wie ich vorher schon meinte gewusst zu haben,wirklich blind macht, man lernt warum der Glaube oft die Vernunft besiegt,versteht wenn man Jesus groß macht, zugleich Gott kleiner macht u.s.w..
Gegen Ende des Buches werden kleine Tips gegeben wie man Betrug und Selbstbetrug entgehen bzw. besser erkennen kann.
Zum Schluß stellt sich die Frage. Wenn Betrug u.Selbstbetrug von der Natur aus in uns allen steckt also evolutionär ist,wieso soll ich Betrug u.Selbstbetrug vermeiden.
Gut, Betrug ist klar,da würde man schnell hinter schwedische Gardinen wandern.
Doch beim Selbstbetrug? Schon diesen allein zu erkennen rechtfertigt den Preis des Buches.Ich kann das Buch nur,wie es so schön heißt,wärmstens empfehlen.

Josef Friedrich Ebner