Der Winter scheint vorüber zu sein, jedenfalls nördlich der Alpen ist der Schnee fast völligweggetaut. Wie jedes Jahr kommen mit dem Beginn des Frühlings die Schandflecken die das winterliche Weiß so glänzend zudeckte unangenehm zum Vorschein.

Hat man diese Missstände erst mal erkannt kann man den Fehler oder die Flecken ohne großes Federlesen beseitigen.Ganz anders verhält es sich,wenn man das ganze Jahr über Schnee auf den vermeintlichen Schandfleck legt oder aber abwartet bis Gras über die Sache gewachsen ist.

In der Stadt Salzburg hat sich seit einigen Jahren ein Trend abgezeichnet der sich immer mehr als Schandfleck oder Unart auswächst. Das nicht nur in unserer Stadt sondern in der ganzen Republik grassierend Wirtshaussterben.

Manch einer könnte meinen,es soll nichts schlimmeres geben als ein paar Wirtshäuser weniger. Doch sind die alten Wirtshäuser genauso ein Sensor einer funktionierenden Gesellschaft wie kleine unabhängige Krämerläden oder eine Postfiliale.

Gut, man kann da ja auch anderer Meinung sein,nicht jeder trauert der alten Wirtshauskultur nach,die sich oft genug als Saufkultur entpuppte und mit allen seinen Begleiterscheinungen nicht nur Freunde hat.

In meinem Falle,den ich hier schildern werde geht es jedoch um ein Haus,das in der Geschichte Salzburg eine sehr unterschätzte Rolle einnimmt. Es handelt sich um den im Salzburger Stadtteil Maxglan liegenden ehemaligen Gasthof Ganshof.

Das interessante dabei ist,das dieses ehemalige Lokal eine Geschichte als Freibad hatte und durch einen sich heute noch sichtbaren Arm des Almkanals mit Wasser versorgt wurde.

Auf alten Fotos, die noch aus dem vorherigen Jahrhundert stammen, ist das fröhliche Treiben noch lebendig.In den Wintermonaten diente der heutige Parkplatz als Eislaufplatz oder Eisschützenmetropole.

Schade ist,dass sich historisch kaum etwas über den alten Gasthof etwas finden läßt.Zum Beispiel steht dieser einzige Satz bei Wikipedia: Matthias Martin, Gastwirt zur "Blauen Gans" in der Getreidegasse erwarb 1812 die "Gürtlerhube" und eröffnete den Gasthof Ganshof. Zur Gastwirtschaft gehörte auch die Badeanstalt Ganshof.

Ist schon irgendwie komisch,man will ja niemandem etwas unterstellen. Aber einer der älteren

Nachbarn meinte,dass dies genau dem System des Gras darüberwachsen entspricht.,Aus dem Auge aus dem Sinn und schwups, fort ist das Haus'.Er meinte, wenn man zu viel vom Ganshof wisse könnte der Denkmalschutz auf die Riesenparzelle mit Haus aufmerksam werden,und vorbei ist's mit der Spekulation.

Ob Wahrheit oder nicht, es bleiben sowieso vorerst nur Gerüchte.Bevor die Stiegl Brauerei ihr weiteres Tun nicht verkündet kann alles passieren.

Ich habe mein Wissen von Gästen und Nachbarn, die immerhin so manche Anekdote auferstehen lassen.

Die Alten erzählen noch gerne von der Vorkrieg und Nazizeit.Natürlich hatte der Ganshof auch seine braunen Vergangenheitsflecken.Doch meist sind diese Bierdunstverhangen auch nicht schlimmer als die Geschichten in anderen Lokalitäten in der Stadt.

Interessanter ist schon eher,dass die heimische Literatur dieses Lokal für sich entdeckte.

Allen voran Thomas Bernhard, der im Roman „Der Untergeher“ diesem Haus ein kleines literarisches Denkmal setzte.

http://www.kunstfehler.at/ShowArticle.asp?AR_ID=1707&KF_ID=86

Aber auch Carl Zuckmayer,H. C. Artmann,André Heller ,Peter Handke verkehrten hier. Sie verehrten dieses Lokal und schätzten seinen romantischen Gastgarten mitten in der Stadt und mitten in Maxglan. 

Interessant,weil diese Herren gerade nicht dem, nach dem Kriege plötzlich reuig zurückgekehrten Katholizismus angehörten oder aber sich nicht in ein gängige Matrix pressen ließen,Künstler eben.Das macht einen in Salzburg seit Mozarts Zeiten sowieso schon mal verdächtig.

Um so mehr verwundert es, dass diese Herren ihren Stammtisch inmitten des einfachen,noch immer Braunen,oder wieder reuig ins Schwarz zurückgekehrten Volkes hatten.Dieser Kunst oder Intellektuellenstammtisch soll ungefähr drei Jahre existiert haben bevor er sich auflöste.

Danach sah man die Herren nur als Einzelpersonen sporadisch oder gar nicht mehr.Die Öffentlichkeit nahm keine Notiz oder legte sich eine negative Position zurecht. Bei Thomas Bernhard und André Heller ist das bis zum heutigen Tage  leider so geblieben.

Das Lokal gehört jetzt der größten Privatbrauerei Stiegl hier in der Stadt.Ihrer Firmenpolitik entsprach es Gasthäuser der Konkurrenz um ihrem Firmensitz oder ihrem Einflussbereich zu übernehmen um besser ihre Produkte zu besser verkaufen zu können.Doch mit den Jahren stiegen die Preise für Immobilien in Salzburg ins Uferlose und somit begann die Brauerei die schon immer (seit 1492) großen Grundbesitz in und um Salzburg besaß ihr Kerngeschäft,wie es so schön im Wirtschaftsdeutsch heißt,zu verlassen,um sich ein neues Standbeinchen zu sichern.

Als gelernter Österreicher wissen wir,dass auch andere Firmen ihr Kerngeschäft verließen und dafür nach ihren Firmennamen noch der Zusatz "Bank" dazugekommen ist, wie bei Porsche,oder Meindl.

Das ist bei der Brauerei Stiegl nicht so, doch hält das nicht vom Spekulieren ab.Natürlich ist es legitim seine Immobilien so teuer wie möglich auf den Markt zu bringen. Doch im Gegensatz zu früher wird,so scheint mir,mehr verkauft als eingekauft.

Dies widerspricht jedoch der Tradition die uns bei jedem Bierfest vorgespielt wird.So sind viele Stiegl Gasthäuser dem Verfall preisgegeben,die Investitionen halten sich in Grenzen.Jetzt steht der alte geschichtsträchtige Gasthof Ganshof leer vor seinen schönen Kastanienbäumen.

Wie dem auch sei.Ich sehe schon an seiner Stelle einige Wohnsilos entstehen.

Auch wenn es so kommt,werden die neuen Bewohner an einer Stelle wohnen, an einem Platz wo seit Jahrhunderten soviel gelacht,soviel getanzt,soviel getrunken,soviel philosophiert,soviel gestritten wurde wie kaum an einer anderen Stelle in Maxglan.Hier ist man,hier war man,und vielleicht wird man wieder ganz Mensch sein und hoffentlich auch bleiben.

Der Ganshof um1918