Arbeitslos

Verdammt! Es hat mich erwischt! Nach fast acht Jahren habe ich mich wieder mit einer der Großen,nein sicher mit der größten aller Geißeln unserer Gesellschaft infiziert. Mit der Arbeitslosigkeit! So habe ich ganz formlos und trocken beinahe wie eine ärztliche Diagnose von meinem (noch)Chef die euphemistische Kündigung erhalten.  Die schriftlich Kündigung,die so gehalten war,dass von einem beinahe erwartet wurde,diese Entlassung mit einem,netten Dankeschön' zu quittieren,kam jedenfalls für mich überraschend. Wenn man im Außendienst im Vertrieb beschäftigt ist hat man einiges gesehen und gehört und es ist einem so manche geschäftliche Ausrede eingefallen. Doch neben der Enttäuschung der Kündigung steht auch die Enttäuschung einer geistlosen Begründung. Eine Umstrukturierung,eine Veränderung der Kaufgewohnheiten soll meinen Arbeitsplatz zerstört haben. Nun gut,wie auch immer.

Mit Jahresende werde ich also meinen Arbeitsplatz nach fast acht Jahren verlieren. Im neuen Jahr werde ich ungewollt ins Heer der Arbeitslosen einrücken. Damit werde ich Wohl oder Übel Kunde und Befehlsempfänger des ach so geliebten AMS sein. Im Heer der Arbeitslosen fühlt man sich bekanntlich alles andere als geborgen,noch dazu wenn man zu den älteren Arbeitnehmern gerechnet wird. Wie gesagt ist mir dieser Schicksalsschlag schon mal passiert, somit kann ich aus Erfahrung sprechen. Auch das Gefühl des Bittstellers neben dem Gefühl des nicht gebraucht werden steckt mir heute noch im Knochenmark.

Zum Unterschied von damals haben sich nicht nur die Zeiten geändert sondern auch die Gesetze. Leider nicht zum Vorteil der Arbeitnehmer. Nur mit Mühe und Glück ist es mir damals gelungen nach einjähriger Suche doch noch einen Arbeitsplatz zu ergattern. Inzwischen bin ich sechsundfünfzig Jahre alt. Kaum hat man die Fünfzig als Lebensjahre überschritten will kein Unternehmen mehr,oder nur mit staatlicher Förderung,einen erfahrenen Alten einstellen.

Die Regierung hat nun sicherheitshalber das Pensionsantrittsalter aus finanziellen Gründen erhöht. Das Bonus-Malus-System,dass ersonnen wurde damit ältere Arbeitnehmer leichter einen Arbeitsplatz bekommen,wurde trotz Regierungsabkommen einfach storniert. Im Moment spricht alles gegen einen leicht zu findenden Arbeitsplatz. So wir das Gefühl des abgestempelt Seins wieder in meinem Leben Einzug halten.

 Doch ich gebe nicht ganz so schnell auf. Vielleicht finde ich noch eine Firma die einen engagierten  Außendienstmitarbeiter benötigt. Noch eines muss erwähnt werden. Ausländer sind nicht Schuld am Verlust meines Arbeitsplatzes.Auch nicht wenn einige mir das noch so intensiv aufs Auge drücken wollen. Eher liegt es an den Kaufgewohnheiten unserer Österreicher die plötzlich dem Kaufrausch im Internet zum Opfer gefallen sind. 

Josef Ebner